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Reich gestaltetes dreigeschossiges Wohnhaus aus dem Jahre 1882, in geschlossener Bebauung. Das Haus steht an prominenter Stelle an der spitzwinkligen Ecke Rohrbacher / Bahnhofsstraße...

N° 12 Reich gestaltetes dreigeschossiges Wohnhaus aus dem Jahre 1882, in geschlossener Bebauung. Das Haus steht an prominenter Stelle an der spitzwinkligen Ecke Rohrbacher / Bahnhofsstraße. Dem vom Seegarten oder vom Bahnhof (ehemals Rohrbacher N° 6-8) kommenden Betrachter bietet sich von Nord-Osten der Blick auf die abgeflachte, reich gestaltete Eckfassade, zwei weitere Fassaden weisen zur Rohrbacher und zur Bahnhofsstraße. Der Bau ist ein herausragendes Beispiel für die Bestrebung von Architekt und Bauherr, an der künstlerischen Gestaltung der Stadt mitzuwirken. Diese gesellschaftliche Verantwortung war für jene Zeit typisch, ohne Widerspruch dazu, daß das Mietshaus sicherlich als Renditeobjekt entstand (Bauherr aus Wiesbaden). Der wilhelminischen Kaiserzeit entspricht der historisierende, dicht gesetzte Dekor. Die schmale Frontfassade ist flankiert von zwei runden Erkern, die über kegelige Konsolen auf dem rustizierten Erdgeschoß ruhen und sich über zwei Geschosse erstrecken. Kuppeln und Laternen schließen die Erker in Dachhöhe ab. Die Mittelachse der Front wird betont durch einen Risalit, der die weiteren Elemente aufnimmt: Treppe, Eingang, massive Balkone, sowie durch einen kleinen Schmuckgiebel vor einem mehr angedeuteten Zwerchhaus. Der Bel Étage ist hervorgehoben durch einen bildhauerisch gefertigten Balkon (der obere hat dagegen ein Gitter aus Schmiedeeisen), der flankiert ist von zwei eingelassenen Nischen mit angedeutet marmornen symbolischen Frauen- Gestalten. Den Balkontürlaibungen sind  Koren vorgesetzt. Die beiden Fassaden gliedern sich in fünf Achsen, wobei die der Front fernste Achse, als deutlicher Abschluß des Baus zu den Nachbargebäuden, als Risaliten ausgeführt sind; die Zwillingsfenster in wiederum reich gestaltetem Sandstein geben dieser Achse mehr Volumen und bilden so ein Gegengewicht zu den Eckerkern. Dieser Kunstgriff des Architekten wird noch verstärkt durch Koren auf den Fensterpfeilern des dritten Geschosses und durch die über den Risalit gesetzten breiten Schmuckgiebel vor den echten (und bewohnten) Zwerchhäusern. Der rote Buntsandstein des Untergeschosses gibt dem Bau aus gelbem Buntsandstein und verputzten Flächen einen soliden Sitz. Die Fenster der Erker sind noch original mit gebogenen Rahmen und Scheiben, die übrigen fügen sich gut ein. Die originale Innenausstattung des Hauses ist noch weitgehend erhalten; bemerkenswert  das  abgeflacht spiralige Treppenhaus. Als Baudenkmal klassifiziert.

Bis 1848 wird die Straße Rohrbacher Chaussee genannt, ab 1850 Rohrbacher Straße. Erst 1856 wird ein Grundstück 'Litera A, Nummer 10', südlich von '8' [= Hôtel Schrieder, heute N° 10] genannt: 'Schäffer J., Fabrikgebäude'. Das war die Eisenbahnteilefabrik von Johann Schäfer, die sich ab 1844 an der Bahnhofstraße entlang von der Rohrbacher bis hinter die heutige Goethestraße erstreckte. 1862 übernahm Heinrich Fuchs den Betrieb. Diese 'Nummer 10' wird bis 1876 nicht mehr ins Adreßbuch aufgenommen, denn dort war kein Gebäude; 1876 dann, ohne Nummer: 'Bauplatz (Bahnhofstr.)'. 1878 ist die Rohrbacher neu durchnumeriert, jetzt sind N° 12 und N° 14 als Bauplätze der 'Cuntz Alex., Dr. Wtw' ausgewiesen. Bauplatz N° 12 geht 1881 an den Zimmermeister Rudolf Horn. 1883 erscheint auf N° 12 das nunmehr erbaute und belegte Haus des Wiesbadener Eigentümers Dr. Kranz, in dem in jedem Geschoß eine Partei wohnt: Hermann Freiherr Schilling von Cannstatt, Premierlieutenant, Dr. J. Cohnstein, praktischer Arzt, Dr. Isidor Steiner, Privatdocent; ein Jahr darauf wohnt statt des Freiherrn Fräulein Nathalie Harder, Rentière, hier. Die Belegung ist nach kurzer Zeit relativ stabil; der Philosoph Kuno Fischer wohnt von 1888 bis 1907 hier. 1888 baut auf N° 14 der Maler- und Tünchermeister Georg Hauck ein Haus, in dem er auch wohnt. 1903 kauft Hauck das Anwesen N° 12 und zieht ein Jahr später hier ein. Ab 1909 etabliert sich (wohl im 2. Geschoß) die Süddeutsche Cementverkaufsstelle GmbH (Centralstelle). Hauck zieht 1913 aus, 1922 wird die Cementverkaufsstelle Eigentümerin des Gebäudes, ab 1926 belegt sie die Geschosse 2 und 3, im ersten wohnt der Prokurist Gustav Knaus, der Bürodiener Jakob Oberhettinger unter dem Dach. 1931 belegt die Firma alle Geschosse, nur der Bürodiener bleibt (ab 1941 ein neuer, A. Anweiler, als Hausmeister). Ab 1943 nennt sich die Firma Zementgemeinschaft Südwest GmbH (sie ist nicht mit Portland-Zement Heidelberg / Heidelberger Zement / Heidelberg Cement identisch). Spätestens 1949 ist der Eigentümer der Süddeutsche Zement-Verband . Die Belegung des Hauses im Jahre 1949 zeugt von der allgemeinen Raumnot: Im ersten Geschoß sitzt das Arbeitsgericht; im zweiten ist die Zementgemeinschaft Südwest i.L., J.W. von Witzleben, Chemische Produkte, und der Kaufmännische Direktor A. Riehm; im dritten Freiherr Leonhard von Campenhausen et al., Rechtsanwälte, Hansen et al., Kohlengroßhandel, im Dachgeschoß der Hausmeister, dazu R. Anweiler, Kraftfahrer, E. Kobe, Fabrikdirektor a.D., Frau B. Günther (schon 1951 ist der Hausmeister wieder allein unterm Dach). 1953 übernehmen die Portland-Zementwerke Heidelberg A.G. das Haus; 1956 sind sie alleinige Nutzer (mit dem Hausmeister, ab 1967 als Rentner). Die Erich Ross KG wird 1969 Eigentümerin, Erich Ross, 'Fabrikant', wohnt im Haus, dazu in der Dachwohnung der Fuhrparkleiter R. Anweiler. Von 1973 bis 1978 ist in einigen Räumen die Redaktion des Deutschen Rechtswörterbuchs (Heidelberger Akademie der Wissenschaften) untergebracht, ab 1974 das Büro Adria Industrie-Bau und Verwaltung und ein weiterer Bewohner. 1978 wird die Immobilien-Bau und Verwaltung als Eigentümer eingetragen, Erich Ross KG und Adria bleiben, dazu kommt die Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung. 1979 firmieren im Haus dazu der ASB 'Management Seminare' (für zwei Jahre) und die Gerling Standard Service Organisations-GmbH. 1983 eröffnet RA Höhne eine Kanzlei , ab 1991 sind hier die RA M.Lubnow und Birgit Übelhack. (Schon ab 1953 zeigen die Adreßbücher die Stockwerke nicht mehr an, ab 1989 auch keine Firmen mehr und nicht die Eigentümer.)
2012: Wohnungen, Geschäftsräume; Sitz des IBV Wohnungsunternehmens und der Adria Vermögensverwaltung.

IBV Wohnungsunternehmen Erich Ross GmbH & Co. KG

Die IBV Wohnungsunternehmen Erich Ross GmbH & Co. KG und die ADRIA Vermögensverwaltung – zwei Familienunternehmen mit über 40-jähriger Tradition Beide stehen dafür, ausschließlich Wohnungen des eigenen Bestandes provisionsfrei zu vermieten und...


Adria Vermögensverwaltung

Die IBV Wohnungsunternehmen Erich Ross GmbH & Co. KG und die ADRIA Vermögensverwaltung – zwei Familienunternehmen mit über 40-jähriger Tradition Beide stehen dafür, ausschließlich Wohnungen des eigenen Bestandes provisionsfrei zu vermieten und...


Rohrbacher Straße 12 in Heidelberg

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