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1870 wurde hier für August Lang das 'Hôtel garni' gebaut, lange bekannt als Hôtel Lang. Es war ein großer Bau, mit zweigeteilter Westfassade, die die Grundstücksgrenzen erkennen ließ...

1870 wurde hier für August Lang das 'Hôtel garni' gebaut, lange bekannt als Hôtel Lang. Es war ein großer Bau, mit zweigeteilter Westfassade, die die Grundstücksgrenzen erkennen ließ. Der Baukörper n° 13 war streng symmetrisch auf die Ecke gesetzt mit einer drei Fenster breiten Schaufront zur Kreuzung hin (und zum Bahnhof; das Grand Hôtel, n° 11, war noch nicht geplant), mit halbrundem Säuleneingang, mit zwei durch Säulen verbundenen halbrunden Balkons darüber, als Abschluß ein Zwerchhaus, das die Stattlichkeit unterstrich. Es war der historistisch-klassizistische Stil der Zeit. Der Nordflügel hatte sechs Achsen, abgeschlossen durch einen risalitartigen Vorsprung auf der östlichsten Achse; der Westflügel hatte ebenso sechs Achsen; er schloß an die Fassade n° 15 an, die durch Zwillings- und Drillingsfenster, sowie durch schwerere Fensterübergiebelungen etwas reicher wirkte. An der Rohrbacher entlang öffneten sich die Flügeltüren des Restaurants. Wohl 1904 wurde das Erdgeschoß durch den Architekten San Micheli Wolkenstein für den neuen Besitzer Philipp Rübsamen leicht umgebaut und das Restaurant, der Artushof, im Sinne des Jugendstils modernisiert (Grundrisse, Zeichnungen und Photos im Architekturmuseum der TU Berlin, auch online). Die Umwidmungen ab 1919 (siehe unten) führen schließlich zum Ersatz durch den jetzigen, für die 70er Jahre typischen glatten Bau, der auch innen als Zweckbau konzipiert ist.
Das Grundstück an der Ecke der Riedstraße (heute Hans Böckler Straße) hatte 1870 die Hausnummer 3, ab 1876 n° 7, seit 1878 n° 13 und 15. Der Bau barg ein unternehmerisches Risiko, größer als nach 1871, dem Beginn der Gründerzeit, die von französischen Reparationszahlungen profitierte. 1901 übernahm Philipp Rübsamen das Anwesen, das Hotel behielt den Namen 'Hôtel Lang', später 'Pension Lang', das Restaurant bekam den Namen 'Artushof'. Von 1907 bis 1911 ist Friedrich Hesse als Eigentümer eingetragen, dann wieder Rübsamen, 1919 Rübsamen Erben. 1920 wird das Haus zum 'Gewerkschaftshaus' (Eigentümer ist der 'Verein Gewerkschaftshaus') mit dem Artushof als Vereinsgaststätte (siehe Postkarte, Stadtarchiv Heidelberg).  Praktisch alle Gewerkschaften haben hier einen Sitz (meist je ein Zimmer, oder auch nur ein Schreibtisch!): Bauarbeiter-Verband, Fabrikarbeiter-Verband, Metallarbeiter-Verband, etc., auch Sozialdemokratisches Parteisekretariat, ab 1926 der Reichsbund der Kriegsbeschädigten, aber auch das 'Detektivinstitut Scharfblick und Auskunftei Anton Douqué'. Weiterhin wohnt hier auch die alte Mieterin Elise Reiher, sowie, für einige Zeit weitere Mieter. 1933 werden die Gewerkschaften 'gleichgeschaltet', die Bezeichnungen mutieren zu 'Deutscher Arbeiterverband des Baugewerbes' (also nicht mehr in Länderstrukturen), zu 'N.S.-Beamtenabteilung', 'Kampfbund der deutschen Architekten und Ingenieure', 1935 dann zu 'N.S.D.A.P.-Beamtenschaft' und ähnlich. 1934 wird die 'Volksfürsorge - Gewerkschaftlich-genossenschaftliche Versicherungs-A.G. Hamburg' Eigentümerin, das Haus heißt jetzt 'Haus der Arbeit', die Wirtschaft 'Zum Haus der Arbeit'. Auch nach 1945 ist die Volksfürsorge Eigentümerin (ab 1954 'Alte Volksfürsorge Lebensversicherungs AG'), die Gewerkschaften sind weiterhin ansässig, dazu, auch in einem Zimmer die KPD, auch  drei Wohnungen. Die Wirtschaft nennt sich 'Zum Gewerkschaftshaus' (siehe Photo, 1. Mai 1948, Stadtarchiv); es wird aber 1953 verdrängt von Firma Entenmann Eisenwaren und Worbertz Nähmaschinen & Radios (1956 schon weicht Worbertz der Tapetenhandlung Engelhardt, dieser folgt ab 1963 Irmgard Heil Lebensmittel). 1967 reduzieren sich die Nutzer auf den DGB und Entenmann Haushaltsgeräte & Eisenwaren. Ohne Bruch in der Belegung wird das Haus 1975 abgerissen und durch den Neubau ersetzt (siehe Photo, 2011). Entenmann wird 1986 zu Teutsch Elektrogeräte. Ab 2009: F+U Akademie für Pflege und Sozialberufe, BFZ Betriebswirtschaftliches Fortbildungszentrum und HPC Heidelberger Privatschulcentrum (ebenfalls F+U Unternehmensgruppe).

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Die 1980 in Heidelberg gegründete F+U Unternehmensgruppe mit Schulen, Hochschulen und Akademien an deutschen und europäischen Standorten ist mit mehr als 500 Aus- und Weiterbildungen einer der größten privaten Bildungsanbieter in Deutschland.


Rohrbacher Straße 13-15 in Heidelberg

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