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Eleganter, viergeschossiger Wohnungsbau in historisierendem Stil aus der früheren Phase des Ausbaus der Rohrbacher Straße: errichtet 1891.

Eleganter, viergeschossiger Wohnungsbau in historisierendem Stil aus der früheren Phase des Ausbaus der Rohrbacher Straße: errichtet 1891. Motive der nordeuropäischen Renaissance bestimmen den Gesamteindruck. Die fünfachsige Fassade ist in strenger Symmetrie gegliedert. Sechs Gesimse unterstreichen die Horizontale. Die Mittelachse zieht den Blick auf sich durch den ursprünglich zentrierten Eingang und durch drei Balkons vor den Obergeschossen (der des Bel Étage, sicher ehemals der optisch schwerste, ist leider entfernt). Das Erdgeschoß ist völlig verändert (vgl. den gleichzeitig errichteten Bau N° 52, in den die Bauherren beider Bauten selbst einzogen). Der Dekor ist ganz aus Rotsandstein, die Flächen verputzt. Das Erdgeschoß wirkt massiver durch das Hochziehen des Rotsandsteins bis zum Gesims auf Höhe der Fensterbänke des zweiten Geschosses. Von Etage zu Etage wird der Dekor leichter. Die Randachsen sind markiert durch erhöhte Fensterbögen am zweiten Geschoß. Alle Achsen setzen sich fort in erhaltenen spitzgiebeligen Gauben über dem durch einen Schmuckfries unterlegten Trauf. Rückseitig heute zwei Seitenhäuser. Als Baudenkmal klassifiziert.
Um 1874 bezeichnete man noch den Großteil der Westseite der Rohrbacher einfach als 'Ackerfeld'; erwähnt wird, mit einer Nummer 20, Friedrich Heger, 'Kunstgärtner'. 1878 numerierte man die ganze Straße durch, 'Handelsgärtner' Hegers Grund bekam zwei Nummern: 60 für die Gärtnerei selbst, 62 für 'Garten'; dieser Garten ist seit einer Korrektur der ungeraden Zählung im Jahre 1902 die heutige N° 54. 1888 kaufen die Gebrüder Brenner, Maurermeister, beide Grundstücke, jetzt als Bauplätze ausgewiesen (dennoch wohnt in der alten Gärtnerei, N° 52, noch ein Jahr lang 'Jakob Kunzmann, Lokführer, Witwe'). 1891 werden beide Grundstücke bebaut; sie gehören beide den Gebr. Brenner, die in N° 52 wohnen. In 54 sind die ersten Mieter: Germania-Vaseline-Fabrik [diese Heidelberger Firma eines 'Meyer' ist noch nach 1895 im Pariser Annuaire de la Savonnerie et de la Parfumerie gelistet; ist dies der Ernst Meyer, Fabrikant, dessen Witwe hier wohnt?], Alois Kunst, Kaufmann,  Fräulein Luise Helwerth, Peter Mohr, Baumeister (Fa. Peter Mohr & Sohn). Die Bewohnerschaft wechselt langsam, von 1893 bis 1899 wohnt etwa Dr. Karl Treiber hier, von 1894 bis 1898 (Prof.) Dr. Karl Auwers. 1897 erwirbt das Haus Johannes (ab 1927 'Jean') Barth, 'Flaschner, Gas- und Wasserleitungseinrichter', später 'Blechnermeister und Installateur'. Zugleich kommen Wilhelm und Philipp Müller ins Haus, der eine Weinhändler, der andere Küfer, dazu der 'Generalagent' Leopold Strauß. 1899--1908 ist Louis Reiß, 'Kaufmann und Vermittlung von Liegenschaften', einer der Bewohner. 1906-1912 wohnt hier Franz Schay, Oberingenieur, später Civilingenieur, später 'Vertreter der Maschinenfabrik Augsburg [> MAN]', anfangs zusammen mit Julius Schay, Kaufmann. Seltener Art ist der zeitlich begrenzende Eintrag ins Adreßbuch 'Bis 1. April: Luise Müller Wtw, Monatsfrau [= Putzfrau (die mtl. entlohnt wird?)] (1906). 'Tapezier' Wilhelm Flöthe wohnt (und arbeitet) offenbar im hinteren Seitenbau, 2. Geschoß, von 1910 bis 1929; ab 1949 finden wir Fritz Floethe, Tapezier- und Polstergeschäft, im 3. Geschoß des Vorderhauses (siehe auch N° 56). Lange gibt es auch Hermann Poßmann, Bügelanstalt / Heißmangelanstalt, im Erdgeschoß des Seitenbaus (1932-1956). 1937 zieht der Eigentümer Jean Barth in das 3. Geschoß und überläßt Geschosse 1 und 2 Nikolaus Opel, Weißwarenhandlung, der noch bis 1939 auch in N° 56 ist. Ab 1949 ist Wilhelm Barth Eigentümer, auch er Installateur- und Blechnermeister (wohnte 1937 unterm Dach im Vorderhaus, 1938-1957 (?) im Seitenbau oben). In dieser Nachkriegszeit ist das Haus dicht belegt: im Seitenbau ist 1949 neben der Bügelanstalt noch der Leder- und Schusterbedarfshandel Margosches & Altmann, im dritten Geschoß des Vorderhauses wohnt neben Tapezierer Floethe auch A. Menges, Bankkaufmann, und W. Elsner, Angestellter, im 4. Geschoß leben zwei Familien. 1957 sind Jean Barth Erben die Eigentümer. 1963 erwirbt die Opel OHG das Anwesen, ab 1965 wohnt Wilhelm Opel hier. 1969 sind Nikolaus Opel Erben die Eigentümer, ab 1978 Margarethe Opel (bis 1996?). 1991 zieht 'Betten-Opel' in das umgebaute Gebäude N° 91, Ecke Steigerweg. Bel Mondo etabliert sich 1993.

Rohrbacher Straße54 in Heidelberg

Rohrbacher Straße 54 in Heidelberg

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