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Stattlicher Doppelhausbau von Friedrich Holl, gebaut 1928/29 für die Genossenschaft Neu Heidelberg. Es ist ein aufwendiger Bau, mit bewußt repräsentativer Gestaltung. Obwohl in geschlossener Bebauung integriert, hat er den Charakter eines Palais...

Stattlicher Doppelhausbau von Friedrich Holl, gebaut 1928/29 für die Genossenschaft Neu Heidelberg. Es ist ein aufwendiger Bau, mit bewußt repräsentativer Gestaltung. Obwohl in geschlossener Bebauung integriert, hat er den Charakter eines Palais. Die Grundhaltung ist noch historistisch, mit einigen barocken Elementen im Mittelfeld, wie etwa den Putten. Erdgeschoß, Gesimsbänder, Gewände, Pilaster, Balkone, Trauf und das Dekor sind aus hellem Sandstein, die Flächen verputzt. Acht monumentale ionische Pilaster grenzen sieben Achsen der Fassade ab. Die starke Betonung der Mittelachse ist mit mehreren architektonischen Mitteln erreicht: das Tor ist mittig, die Pilaster der Mittelachse sind an den Kapitellen mit Girlanden beschwert, dazu tragen sie vollplastische Gefäße; das Mittelfeld nimmt Bauplastiken über dem zweiten und dritten Geschoß auf und ein Scheingeländer vor dem 5. Geschoß; ein Schmuckgiebel zieht hier die Fassade höher. Die Mittelachsen des rechten und linken Flügels werden durch jeweils drei Balkone hervorgehoben. Das Erdgeschoß ist optisch solide ausgebildet durch Rustizierung der Werksteine und durch arkadenartig eingelassene Schaufenster. Die Untergeschosse und Garageneinfahrten (Zugang von Westen) liegen auf dem Niveau der ursprünglichen Gärten. Als Baudenkmal klassifiziert, wiewohl die Fenster nicht mehr unterteilt sind. Sorgfältig instandgehalten.
Die Grundstücke n° 56 und 58 gehörten bis 1923 Heinrich Bootz (Erben), dann Michael Freund (vgl. n° 77a), 1926 Sanimed A.-G. (vgl. n° 20), seit 1928 der Genossenschaft. Nur n° 56 war bebaut und beherbergte Schuhmacher, Schreiner und einen Glaser. N° 58 war Garten; 1924 hatte die Kohlenhandlung Maier von n° 60 hier ein Lager; 1927 gab es eine 'Auto-Reparatur-Werkstatt'. Die Belegung des neuen Gebäudes erfolgte noch 1929, n° 56:  Wäsche- und Bettengeschäft von Nikolaus Opel, Erdgeschoß, Albert Reis, Fabrikant, Witwe (2. Geschoß), Fritz Kahn, Immobilien (3), Prof. Gustav Schmidt, Romanist (4), Alois Horn, Vertretungen (5); n° 58: Richard Herbold, Elektroinstallateur (1), Arthur Klugmann, Kaufmann (2), Joseph Friedrich Amberger, Zweiter Bürgermeister der Stadt (1945 eingesetzter Oberbürgermeister) (3), Dr. Kurt Jacki, Direktor (4), Gustav Ehrke, Pförtner (5, später in 56), Ferdinand Truckenbrod, Hauptlehrer (5). Diese Belegung blieb sehr stabil. 1930 kommen im Seitentrakt 56 Rich. Hamberger, Elektromonteur (S1) und ein Henry Escherich (S2) dazu. 1932 wird das Hinterhaus 56 bezogen: die Genossenschaft in H1 und H2, Opel zusätzlich in H3; 1933 ist in H2 die Verkaufsstelle der Zellstoffsyndikat GmbH Berlin, von 1935 bis 1941 die NSDAP Ortsgruppe Weststadt, dazu ab 1936 die Deutsche Arbeitsfront (1942 wieder Wohnung, ab 1943 Räume der Genossenschaft); an die Stelle von Opel (1; geht in n° 54) tritt 1939 Wilhelm Floethe, Tapetenhandlung (ab 1942 Fritz Floethe, Polsterer und Tapezierer), 1945 Schneiderei. Herbold von n° 58 geht 1943 in die Zähringer Straße 50, den Laden bezieht Johann Uebelacker, Haushaltwaren, später zieht Floethe herüber, bis hier 1974 die Spar- und Kreditbank Heidelberg eine Filiale eröffnet. In n° 56 ist von 1965 bis ???? Oskar und Liesel Herz, Maßkonfektion. 2010: Wohnungen, Erdgeschoß n° 56 Baugenossenschaft Neu Heidelberg (auch H1-2), n° 58 Allianz Versicherung Riedel.

Baugenossenschaft Neu Heidelberg eG

Erstellt und verwaltet seit 1918 genossenschaftliches Eigentum. Ein Modell für die Zukunft in einer Stadt mit Historie und Perspektiven.


Rohrbacher Straße 56-58 in Heidelberg

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