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1907 von Architekt F. Hartmeyer für Albert Kohlbecker, 'Maschinenkontrolleur aus Ladenburg', erbautes Mietshaus mit Laden im Erdgeschoß...

1907 von Architekt F. Hartmeyer für Albert Kohlbecker, 'Maschinenkontrolleur aus Ladenburg', erbautes Mietshaus mit Laden im Erdgeschoß. Die Fassade ist streng  symmetrisch angeordnet, speziell in den Obergeschossen. Drei die Mittelachse betonende Pilaster tragen das schwere Ornament des vor dem Zwerchhaus sitzenden Schmuckgiebels. Die Seitenteile werden symmetrisch von drei übereinanderliegenden Balkonen geschmückt und hervorgehoben. Die ganze Fassade ist bis zu dem Kranzgesims aus gelbem Sandstein, auch das durch glatte Quadern robust wirkende Erdgeschoß; dessen Bögen erinnern an romanische Burgen. Nur der Schmuckgiebel und die anschließende Attika sind verputzt. Wiewohl gleichzeitig mit n° 75 erbaut, zeugt dieses sorgfältig konzipierte und ausgeführte Haus von stadtplanerischer Verantwortung des Architekten für ein abwechslungsreiches, vielfältiges Strassenbild. Einflüsse des Jugendstils tragen zur Gefälligkeit des noch dem Historismus verpflichteten Baus bei. Als Baudenkmal klassifiziert; vorbildlich renoviert.
Lange stand auf den Grundstücken 75-77a die Farbholzfabrik von Christian Keller & Cie., ein Bruchsteinbau aus Rotsandstein, siehe n° 75. 1906 erwarb Kohlbecker die Grundstücke und ließ bauen; n° 77 wurde 1908 bezogen. Für 1909 ist Gipsermeister Theodor Heß hier eingetragen und der Kaufmann Heinrich Herrmann (Laden?). 1911 sind Peter Winkler, Malermeister (in Kirchheim), und Jean Barth, Flaschnermeister, Eigentümer des Hauses; im Laden etabliert sich Nikolaus Knorr, Bäckermeister. Wohl im Hinterhaus Jakob Becker, Schreiner (1912-15: Karl Becker, Schreiner), 1913-19 Martin Heß, Schlosser. 1919 hat Ludwig Hinkel im Laden eine Kolonialwarenhandlung, macht aber schon 1920 Platz für Bäcker Emil Dussel, der Hauseigentümer wird und eine Bäckerei etabliert, die bis 1962 Bestand hat (siehe historisches Photo; als Brezelbäcker war Dussel auch Schulhoflieferant). Dussel Erben (seit 1967 Maria Bohatsch) vermieten das Ladengeschoß an Heinz Strauss, Süßwaren, dann, etwa 1965, an Möbel Breitwieser (siehe n° 75-81). Seit 1992 in oberen Geschossen und Hinterhaus Wohnungen, Praxis.

Rohrbacher Straße 77 in Heidelberg

Rohrbacher Straße 77 in Heidelberg - Historisch

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