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Rohrbacher Straße 78 ist der Garten von Haus N° 1 der Goldschmidtstraße. 1897-1898 bauten hier die bedeutenden Baumeister Henkenhaf & Ebert...

Rohrbacher Straße 78 ist der Garten von Haus N° 1 der Goldschmidtstraße. 1897-1898 bauten hier die bedeutenden Baumeister Henkenhaf & Ebert (siehe N° 84) die zweigeschossige Villa in späthistoristischer Manier, mit Strukturelementen aus Rotsandstein und verputzten Flächen, schiefergedeckt, mit Flachdach. Reiche Akzente setzen Motive der Vaterländischen Renaissance, die sich an die Nordische Renaissance anlehnt, aber größere Formenvielfalt aufweist und zum Teil den romanischen Baustil aufnimmt (am dritten Geschoß des Turms zum Beispiel). Das Ganze steht auf einem asymmetrischen Grundriß. Die zur Kreuzung weisende Nordostecke wird zunächst durch einen dreigeschossigen Turm mit Spitzdach betont, dann aber seine stadtplanerische Wirkung etwas zurückgenommen zugunsten einer Verbreiterung der Straßenfassade gen Osten durch einen zweigeschossigen erkerartigen Vorbau.  Diese Nordfassade erfährt eine weitere Bereicherung durch einen zweifach vorspringenden Risalit, der den runden Turm freistellt und die westliche Achse heraushebt. Diese ist plastisch gestaltet mit angedeuteten Balkons; der Blick wird auf die reichen, geschoßhohen Gewände und Brüstungen des zweiten Geschosses gelenkt, das bis in eine Gaube mit Spitzdach und ausgearbeiteter Schaufront in Rotsandstein verlängert wird. Das Ganze ist sehr sorgfältig durchgestaltet: umlaufende Gesimse geben dem Gebäude auf solidem Sockel Halt; Zwillingsfenster auf der nördlichen Mittelachse, dem Turm, auf der Westfassade, sowie auf der östlichen Erkerfront, die wiederum von einer Gaube überbaut ist, verleihen dem Gebäude üppige Ausgewogenheit. Alle Werksteine sind in plan gehauenem Rotsandstein oder als Relief ausgeführt. Die Westfassade gewinnt an Gewicht durch einen breiten Risalit vor dem Treppenhaus, mit breitem Fenster und Zwillingsfenster mit originaler Bleiverglasung. Die Freude am Dekorieren ist auch erkennbar an den Schmuckquadern auf den Ecken (Diamantquader auch im Sockelbereich), der Friesverzierung unter dem Turmtrauf und an den Schmiedeeisenarbeiten am doppelstöckigen Ostbalkon und an der ausgedehnten Dachterrasse. Das 'H' auf einem Medaillon auf der Erkerwand der Nordfassade und '1897' über dem oberen Fenster der westlichen Achse entsprechen dem Bauherrn, Henking, und dem Baujahr. Die Innenausstattung ist ebenso anspruchsvoll, dabei gut erhalten; die Renovierung des Anwesens im Jahre 2009 ist denkmalpflegerisch durchgeführt worden. Als Baudenkmal klassifiziert.

Die Goldschmidtstraße wird kurz vor 1897 trassiert, ab 1898 benannt nach dem Heidelberger Professor der Geschichte Treitschke, Politiker in Berlin, ein wichtiger Wegbereiter des Antisemitismus in der deutschen Elite; erst 2012 umbenannt nach Leontine Edle von Portheim und ihrem Mann, dem Heidelberger Mineralogen Victor Goldschmidt, 'Nichtetatmäßiger außerordentlicher Professor der Universität', später 'Geheimer Hofrat', dem Stifterpaar der Heidelberger Portheim-Stiftung. Die beiden Grundstücke Rohrbacher N° 78  (bis 1901 n° 86) und Goldschmidt N° 1 wurden 1897 von Robert Henking, Chemiker, als Bauplätze gekauft, der Bau begonnen und  im Jahr darauf bezogen. Die rechte Straßenseite blieb bis 1927 offen, aber N° 3 bebaute gleichzeitig Goldschmidts Fakultätskollege Karl Koehler, Mathematiker; N° 5 wurde 1900 von dem Geheimen Landgerichtsrat Adolf Gautier bezogen. Im Oktober 1898 stirbt Bauherr Robert Henking, Mitbegründer des Mannheimer Chemischen Laboriums, sechzigjährig, seitdem und bis 1928 wohnt 'Robert Henking, Witwe, Privatin' alleine im Haus, ab 1922 nur im zweiten Geschoß, dazu im ersten, 1922-1931 als Mieterin, Prof. Marie Holtzmann, Witwe, hier danach Robert Herbst, Finanzdirektor (zieht 1938 ins 2., bleibt bis 1951). Ab 1.4.1928 gehört das Haus Peter Graf, Architekt (er baute das Doppelhaus Rohrbacher N° 93/95; er wohnt bis 1938 im 2., lebt ab da in Wolfach). 1965 erben das Haus seine Frau Alice und Tochter Anita, Laborantin. Diese wohnt kurz 1965 und dann ab 1975 im Haus und heiratet den Mieter (seit 1973) Prof. Dr. Cuno Wieland, Radiologe (bleiben bis 1998 bzw. 1999; dieses Paar stiftete den 'Anita und Cuno Wieland Preis' des Tumorzentrums Heidelberg-Mannheim).
Die Bewohnerschaft des Hauses blieb immer bemerkenswert stabil und klein, 1932-1938 wohnte noch Willy Froschauer, Verwaltungs-Beamter mit im 2., dann bis 1965 im 3. Interessant ist die im ganzen Viertel zu beobachtende vorübergehende Zunahme an Bewohnern nach dem Krieg, sie steigt von 3 Parteien im Krieg auf 6 Parteien im Jahre 1949, 1951: 7, 1956: 5, 1961: 3, 1967 nur 2.
2012: Wohnung; Firmensitz der Kalkmann Wohnwerte GmbH & Co. KG.

Kalkmann Wohnwerte GmbH & Co. KG

Unser Anspruch ist es, außergewöhnliche WOHNWERTE zu schaffen. Dabei findet sich das Außergewöhnliche in den vielen verschiedenen Facetten unserer Arbeit und unserer Produkte wieder, die wir als Projektentwickler und/oder Bauträger realisieren.


Rohrbacher Straße 78 in Heidelberg

Rohrbacher Straße 78 in Heidelberg - Historisch

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