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Erbaut 1907 von den Baumeistern J. & J. Henkenhaf & Ebert (die 1884-1885 das Kurhaus Scheveningen, ...

Erbaut 1907 von den Baumeistern J. & J. Henkenhaf & Ebert (die 1884-1885 das Kurhaus Scheveningen, 1901-1903 die Stadthalle Heidelberg und vieles mehr gebaut haben), für Jakob Henkenhaf (1855-1927) selbst. Dreigeschossiges Eckhaus in geschlossener Bebauung, mit klarem stadtgestalterischem Anspruch: Mit seinem achteckigen Turmaufsatz über der abgeschrägten Ecke dominiert es die Kreuzung, dem großen Haus diagonal gegenüber (1901) Paroli bietend. Es ist über einem asymmetrischen Grundriss reich gestaltet, wenn auch recht zurückgenommen. Alle Werksteine des Sockels, der Balkone, Gesimse und Gewände sind aus Rotsandstein, die Flächen verputzt, das Dach schiefergedeckt, die Zwerchhausfassaden in Zink gefaßt. Der Stil ist späthistoristisch, nimmt die deutsche Renaissance auf, schmückt sich hier und da mit diskreten Elementen des Empire und zeigt im Dekor eine gewisse Öffnung zum Jugendstil. Die Nordostecke wird als Hauptachse betont durch drei Türen, deren obere auf Pariser Balkone führen, und vor allem durch den behelmten Turmaufsatz, der noch eine kleine Kuppel mit Spitze trägt. Die Balkone laufen an der Ostfassade entlang bis zu dem zweigeschossigen Erker; dieser trägt einen Balkon, der vor der östlichen Zwerchhausfassade sitzt. Diese Achse bildet ein Gegengewicht zu dem schweren Eckturm, ebenso wie die Mittelachse der Nordfassade: Hier ist ein zweigeschossiger Erker nur optisch präsent durch ein übergiebeltes Fenstergewände, das über zwei Geschosse läuft; darüber setzt der nördliche Zwerchhausgiebel dieses Strukturelement fort. Nach Nordwesten deuten ein Dachaufsatz und die vorspringende Fassade einen zweiten Turm an, der auch diese Ansicht austariert. Hier sind die Fenster einfach, während sonst alle Fenster als Zwillingsfenster ausgeführt sind, was zu dem noblen Gesamteindruck beiträgt. Feingliedrige, dem Jugendstil verpflichtete Bleiverglasungen an Erker und Treppenhaus sind noch erhalten, ebenso die ursprünglichen Fensterteilungen und die Hauseingangstür gen Norden. Als Baudenkmal klassifiziert.
Das Grundstück an der Ecke Kronprinzenstraße (1940 umbenannt in Dantestraße) war lange als Baugrund verzeichnet (bis 1901 mit der n° 90), seit 1901 als 'Lagerplatz' der Firma Henkenhaf & Ebert, 1907 mit einem Neubau. Ab 1908 ist Jakob Henkenhaf, Baumeister, als Eigentümer des Hauses eingetragen, der aber nicht hier wohnt. Das Erdgeschoß nimmt 1908 Friedrich Heger, Blumengeschäft und Friedhofsgärtnerei, ein, die ersten Mieter auf den Etagen sind Ludwig Schmoll, Privatier, Emil Böhme, Prokurist, Fräulein Helene Schäfer, Privatier, Fräulein Magdalene Hermann, Privatier. Die Bewohner wechseln, aber manche, wie Professor Dr. Georg Wattendorf (Altphilologe, promoviert 1922), wohnen über Jahrzehnte hier. 1930 zieht im dritten Geschoß der Weingroßhändler Berthold Levi ein, verlässt das Haus aber 1935. Zu beobachten ist hier, wie in der ganzen Rohrbacher Straße, daß gewöhnlich pro Etage eine Wohnung verzeichnet ist, erst nach 1945 finden wir im 3. und 4. Geschoß je zwei Wohnungen. Das Blumengeschäft geht 1924 an Albert Ruf, 1934 an Ludwig Dörsam, dessen Witwe Lisa es bis 1953 fortführt. Das Anwesen fällt 1937 an die Erben Jakob Henkenhafs und wird im Jahr darauf von Tochter Dorothea / Dora Henkenhaf und der 'Witwe Dr. Rudolf Zipse, Stadtrechtsrat' übernommen (ab 1953 D. H. und Dr. Friedel Zipse, die zu der Zeit im Hause Dantestraße 5 wohnen), 1969 von Salome Henkenhaf (die französische Mutter von Jakob Henkenhaf hatte Dorothea Salome Claupin geheißen [Hartmann, H. & E., Diss. Heidelberg 2003]). 1954 eröffnet Dr. Paul Baumann die Gaisberg-Apotheke (bis 1966 auch Drogerie); sie wird ab 1971 von Eckart Baumann geführt, heute, in dritter Generation, von Martin Baumann.

Rohrbacher Straße 84 in Heidelberg

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