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Das Haus ist ein verputzter, fünfgeschossiger Wohnungsbau mit den für seine Zeit, 1950, typischen Merkmalen. ...

Das Haus ist ein verputzter, fünfgeschossiger Wohnungsbau mit den für seine Zeit, 1950, typischen Merkmalen. Er erreicht die gleiche Traufhöhe wie n° 92, hat aber ein Stockwerk mehr. Die Hofeinfahrt scheint eine Mittelachse zu markieren, in gewisser Weise fortgeführt in den zwei mal drei liegenden Fenstern der Gebäudemitte. Jedoch sind die Hälften jeweils dreiachsig gegliedert, wenn auch asymmetrisch, mit zwei wenig auskragenden Balkons zur Betonung ihrer Mittellinien. Die insgesamt sechs Achsen setzen sich fort in den Gauben mit Spitzgiebeln, aufgesetzt auf das Satteldach. Das Erdgeschoß mit zwei ungleich symmetrischen Ladenfronten ist zum ersten Stock durch ein Gesimsband begrenzt, dazu farblich abgesetzt, was ihm mehr Volumen verleiht. Die Balkongitter tragen die Initialen des Bauherren: RW. Zum Ensemble gehört ein dreigeschossiges Hinterhaus (1950)  mit Durchgang zu einem zweigeschossigen Seitenflügel (2010).

Die Grundstücke 88-90 blieben lange unbebaut. Die ganze rechte Straßenseite der Rohrbacher, von etwa N° 20 bis zur 'Friedhofskapelle' wird noch 1870 schlicht als 'Ackerfeld' bezeichnet. 1874 erscheint im Adreßbuch ohne Hausnummer 'Kiessel's Bierkeller', der seit 1894 'Löwenkeller' heißt. 1878 wird die 'Rohrbacherstraße' durchnumeriert ('Beginnt am Baierischen Hof und endigt an der Alleestraße'): rechte Seite 2-108. Die Nummern ändern sich zweimal: den heutigen Nummern 88-90 entsprachen 1878 '104-106, Bauplätze', 1901 '94-96', ab 1902 dann '88-90'. Die Qualifizierung als Bauplätze blieb bis 1949, anfangs ohne Angabe eines Besitzers, ab 1901 mit: 'Jak. Henkenhaf, Baumeister (Garten)' für 94 [88] und 'Henkenhaf & Ebert, Baugeschäft (Magazin)' für 96 [90] (zu Henkenhaf siehe N° 84 und 78). Ab 1914 ist Henkenhaf alleiniger Besitzer der Grundstücke; ab 1930 gehören sie seinen Erben. 1938 werden Dorothea Henkenhaf und Rudolf Zipse als Eigentümer eingetragen, ab 1949 D. Henkenhaf und R. Zipse Wtw. 1950 kauft der Malermeister Richard Wirsching den Grund und läßt die heutigen Bauten erstellen, Vorderhaus und Hinterhaus.
Richard Wirsching hatte ab 1924 im Anwesen 92 gearbeitet (also im Haus Löwenkeller, das damals noch an der rechten Seite eine Hofeinfahrt hatte); seine Malerwerkstatt im einstöckigen hinteren Seitenflügel betrieb er dort ab 1924 allein, 1927-1929 zusammen mit Schweller, dann wieder alleine; von 1927 bis 1939 wohnte er im 4. Geschoß des Vorderhauses 92, von 1940 bis 1950 in der Gaisbergstraße 74 (3. Geschoß).

1951 ist das Haus 88-90 gut belegt: Malermeister Rich. Wirsching im Laden der N° 90; Möbel Hiebeler; Wäscherei Claus Giulini in N° 88 (Giulini wohnt in 'Geschoß 5', also unter dem Dach, die 'Wäschereileiterin' Neumann im Parterre; Giulini nennt sich ab 1959 'Wasch-O-Mat'; wird ab 1974 Filiale der Reinigung Konrad, bis 1983). Im 2. Geschoß ist die Fa. 'Moderner Baubedarf', die Versicherung Deutscher Lloyd, dazu Amtsgerichtsrat Runge; im 3. wohnt Ingenieur Holdermann, die Technische Übersetzerin Voigt und Theresia Apfelbach; im 4. Rechtsanwalt Dr. Spillner und Verlagsberater Hoeves; im Dachgeschoß Diplom-Dolmetscherin Jacobsen und Graphiker Geelhaar (bis ca. 1999); im Hinterhaus ist für kurze Zeit der 'Volkswagenverkauf' Haussmann etabliert, darüber wohnt Rich. Wirsching neben Josef Komma, Kaufmann; das Dachgeschoß teilen sich Syndikus Dr. K. Winter und der Vertreter Fritz Pinther. 1953 zieht das 'Lebensmittelgeschäft' Goedecke in den Laden 90 (bis 1964) und es etabliert sich eine 'Weststadtsauna'. 1954/55 geht 'Fototto' Georg Otto ins Hinterhaus (ab 1956 mit Laden Bergheimer Straße 15; 1979 bis nach 1999 Photograph Akinbode Akinbiyi, heute, 2013 in Berlin). 1956 wird Malermeister Robert Wirsching mit dem Malergeschäft Rich. Wirsching OHG fürs Hinterhaus eingetragen. 1959/60 sind Eigentümer Robert Wirsching 'und 1 anderer'). 1961 sind Rob. W. und Lucia Komma Eigentümer (ab 1981 nur Rob. W., Lucia wohnt hier bis 1993); im Hinterhaus Hilde Brauns 'Maß-Atelier'. 1967 etabliert sich Blumen-Kamm in 90 (bis 2005?). An die Stelle der Reinigung tritt 1983 eine Filiale einer Neuenheimer Bäckerei.

2013: Eigentümergemeinschaft; Wohnungen, Läden (Vorderhaus 90: Imbiß, 88: Bäckerei), Hinterhaus: Dienstleister (Kindertagesstätte, Fachschule), im neuen Seitenflügel: Massagepraxis Anita Hartmann.

Massagepraxis Anita Hartmann

Gesundheit ist die größet Gabe, Zufriedenheit der größte Reichtum, Vertrauen das beste Verhältnis. Anita Hartmann, staatl. anerkannte Masseurin und med. Bademeisterin, Lymphdrainage-Therapeutin, staal. anerkannte Kosmetikerin, Yogalehrerin.


Rohrbacher Straße 88-90 in Heidelberg